Anatomie des Lagotto Romagnolo

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Die Auswahl des optimalen Welpen für Zucht und Gebrauch

 

Hier will ich meine Gedanken zur Beurteilung von Zucht und Arbeitsleistung im Sinne anatomischer Merkmale des Lagotto Romagnolo mit interessierten Züchtern und Liebhabern der Rasse teilen und ihnen helfen, den optimalen zukünftigen Zucht- und Sporthund im Welpenalter von 8 Wochen zu beurteilen und auszuwählen.

 

 

Der sinnbildhafte Spruch

 

"Form follows Function"

 

kommt nicht von ungefähr und gilt übergreifend für alle Individuen, die die Natur geschaffen hat.

 

Hundezucht liegt aber in unseren Händen und wir als Züchter sollten uns bewusst sein, alte Rassen nach diesem Prinzip und im Sinne von Kulturgut zu behandeln.

 

 

Mein Interesse für den anatomischen und folglich ergonomischen Aufbau eines Tierkörpers kommt einerseits aus meinem ehemaligen Beruf als Zootechnikerin und meiner freiberuflichen Tätigkeit als Künstlerin mit den Schwerpunkten Tierportraits und Illusionsmalerei. Zum Anderen begleiten seid 1991 Greyhounds und Barsois, mein Leben. Insbesondere der Windhundsport hatte es mir angetan und die Erfolge eigener Nachzucht, u.a. mit sieben Bahnrekorden, ließen mich noch näher und sensitiver auf Eigenschaften wie Anatomie, Funktionalität und Wesen schauen.

 

So versuchte ich meine Barsoiwelpen Woche für Woche zu fotografieren und zu beurteilen, was aber ohne Hilfe kaum möglich ist.

Mein Interesse teile ich mit meiner lieben Freundin Lisa Krause, die von der Pike auf mit dem Windhundsport vertraut ist und als ausgebildete Tierphysiotherapeutin viel intensiver die Anatomie und Funktionalität des Hundekörpers durchleuchtet hat als ich. 

Gemeinsam beurteilen wir die eigenen Welpen und die Würfe anderer Züchter.

Unsere Erfahrung zeigt, dass kein Welpe ganz ohne anatomischer Fehler ist und es Sinn macht, die vollendete 8. Lebenswoche abzuwarten, um den richtigen Zucht- und/oder Sporthund auszuwählen.

Die nachfolgenden Testverfahren, hier modelliert für den Lagotto Romagnolo, sind angelehnt an die Erkenntnisse der Amerikanerin Pat Hastings. Sie ist langjährige Richterin und Züchterin verschiedener Hunderassen. Durch intensive Studien am Körperbau von Welpen und erwachsenen Hunden entwickelte sie, gemeinsam mit Tierärzten und Tierphysiotherapeuten ein Analyseverfahren, um Züchtern bei der Beurteilung des Hundekörpers und der Auswahl eines geeigneten Lebensplatzes ihrer Welpen zu helfen.

 

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Nun, die Rasse Lagotto Romagnolo, der erste zog 2010 in´s Haus, ist wohl kaum, weder vom Wesen, noch anatomisch mit einem Windhund zu vergleichen. Dennoch kann man bei der Auswahl eines Welpen, neben der Anatomie, grundsätzliche Wesenszüge (zutraulich, eigenständig, zurückhaltend...), insbesondere im Alter von 8 Wochen, erkennen. Dazu später mehr.

 

 

Anatomisch kann man Hunde in fünf große Gruppen unterteilen, wobei der Windhund der klassische Sprinter ist. Die typische leptosome Figur, mit langem Kopf und Hals, langem Rücken, relativ moderater Winkelung der Vorhand und guter Winkelung der Hinterhand mit tiefem Sprunggelenk (Hebelwirkung) und dazu tiefer Brust (Raum für Herz und Lunge), machen den Kurzstreckenläufer, mit effizienter, teils anaerober Atmung, für Hochgeschwindigkeit aus.

 

Eine weitere Gruppe sind die Terrier, mit hoch angesetztem Hals, relativ kurzem Rücken (rasseabhängig), hoch angesetzter Rute, stark nach hinten gelegter Schulter (Arbeit am Bau), moderater Kniewinkelung und gut gewinkeltem Sprunggelenk. Die meisten Terrierrassen, wie auch Windhunde, haben einen langen Fang. Das gibt ihnen Vorteile im Duell mit wehrhaftem Raubwild.

 

Die dritte Gruppe sind die Molosser. Diese massiven Krafttypen mit schweren Knochen, sind weder auf Geschwindigkeit noch auf Ausdauer ausgelegt. Front und Rücken sind sehr breit mit starker Muskulatur. Die Hinterhand ist bei vielen Molossern mässig gewinkelt und muskulös. Als Wach- und Hirtenhunde oder ehemalige Kriegs- und Kampfhunde geben die breit aufgestellten senkrechten Läufe gute Standfestigkeit.  

 

 

Als vierte Gruppe zähle ich Niederläufige auf. Am geläufigsten die Teckel, Basset-Hound und einige Terrierrassen. Meist haben diese neben verhältnismässig kurzen und vorn breit stehenden Beinen einen langen Rücken. Ihre Konstruktion ist der Arbeit am Bau und im Unterholz angepasst.

 

Anmerkung: Viele Rassen der "Gesellschafts- und Begleithunde"

z.B. Mops, Malteser, Peking Palasthunde, Chihuahua... sind schwer

in diese fünf Gruppen einzuordnen, da der Ursprung dieser "Salon-Rassen",

so nenne ich sie mal, weniger auf Gebrauchseigenschaften zurück zu führen ist.

Dennoch sollte auch hier auf die unten genannten Kriterien ein Auge gelegt werden.

 

 

Nun die fünfte, nach anatomischen Gesichtspunkten wohl auch gößte Gruppe der Rassehunde, die Traber.

 

 

Der Lagotto Romagnolo ist, wie auch andere Wasserhunde und eine große Gruppe der Jagdhunde, ein ausdauernder Traber. Mit seinem quadratischen Körperbau und extrem harmonischen Proportionen (so sollte es zumindest sein) ist der Lagotto ein Paradebeispiel für einen ausdauernden Läufer. Sein Hals ist, dazu komme ich später, in guter Proportion zum Rest des Körpers.

Im Gegensatz zu kurzhaarigen Rassen ist es nicht so einfach, sämtliche Konstellationen eines mit Wollhaar überdeckten Körpers mit den Augen zu erfassen. Aber spätestens in der Bewegung ist gut zu erkennen, ob ein Lagotto Romagnolo gut aufgebaut ist. Der geschulte Beobachter kann im Stand, wie im Trab eine optimale Anatomie erkennen. Der Trab ist fliessend, leicht federnd und mit kraftvollem Schub von hinten.

 

Nun, was macht den Läufer (Traber) aus? Stocksteif, also mit steilen Winkelungen geht das mit Sicherheit auf Dauer nicht gut. Daher ist eine gute Vorhandwinkelung wichtig. Funktionale Winkelungen (schräge Schulter, schräger Oberarm) federn die von hinten kommenden Schübe ab. Auch das Vorderfußwurzelgelenk (Karpalgelenk) steht ein klein wenig schräg. Diese ganze "Aufhängung" soll die Wirbelsäule vor Stößen schonen. Für längere Strecken ziehen wir Zweibeiner auch ein gut gefedertes Reisemobil vor.

Und wenn wir einmal bei Antrieb und Federung sind...hinten ist es ähnlich. Auch da sind steile Gelenke unpraktisch, aber hier geht es eher um effizienten Schub. Beim Lagotto ein leicht schräger Oberschenkel und ein gut abgeschrägter Unterschenkel. Dazu macht ein kurzer Hintermittelfuß (1:2 zu Unterschenkel) eine optimale Hebelwirkung.

   Gerade in diesem Moment, in dem ich meine Beobachtungen niederschreibe, ist meine Topolina hochtragend, eine Woche vor Niederkunft. Topolina hat ein optimales Gebäude und auf unseren Spaziergängen schwebt sie, auch hochtragend, leichtfüßig dahin wie eine "Kugelelfe". 

 

Der Standard des Lagotto Romagnolo (FCI Standart 298) beschreibt die Proportionen des Körpers sehr genau, aber nach meiner Meinung fehlt die Erläuterung im Bezug zur Funktionalität. Dies lässt so Manchen denken, standardgemässe Anatomie sei nur ein Schönheitsideal, aber hier ist noch alles funktional, also "Form folgt Funktion".

 


Die Auswahl des optimalen Welpen für Zucht und Sport

Um einen Welpen, egal welcher Rasse, zu beurteilen, ist die achte Woche +- drei Tage ideal. In diesem Alter ist das Hündchen proportional ein fast perfekter ausgewachsener Hund. Zuvor und nach diesem Zeitfenster können Sie Ihren Hund für die kommenden

1 1/2 bis 2 Jahre "in den Schrank stellen". Eine Beurteilung ist dann nicht mehr zuverlässig möglich, da der Junghund sich im Wachstum unproportional entwickelt.

Um den Welpen zu beurteilen, laden Sie sich einen, besser zwei Züchterkollegen oder interessierte Rassefreunde ein. Die Beurteilung ist bei ungeduldigen Welpen nicht einfach und man muss Zeit (ca. 45 mim. pro Welpe) und Nerven investieren und das kann Freunschaften an die Grenzen ihrer Existenz bringen. Daher ist es vorteilhaft, mit allen Welpen des Wurfes über mehrere Wochen mindestens 1-2 mal die Woche schon das Stehen geübt zu haben. Diese Übung ist auch praktisch, da ja auch bald die erste Schur auf die Welpen zukommt.

Optimal für die Beurteilung ist ein neutraler Raum, den die Welpen nicht kennen. Sie benötigen einen großen stabilen Tisch mit rutschfester Unterlage und einen großen Spiegel. Der Aufbau sollte so sein, dass Sie bequem den vor Ihnen aufgebauten Welpen im Spiegel aus gewisser Distanz betrachten können.


Wir beginnen mit einem kleinen Temperaments-/Wesenstest.

 

Der Welpe wird von einer fremden Person auf den Arm genommen. Die Welpenbeine zeigen nach oben.

 

Bei diesem Test, da in unbekannter Umgebung und mit unbekannter Person, kann man leicht grundlegende Wesenszüge des Welpen erkennen. 

Manch Einer ist entspannt mit offenem Blickkontakt (leichtführig und gebunden),

der Andere schaut weg und ist eher an seiner Umwelt interessiert (unabhängig, selbstsicher). Der Nächste ist zappelig und ungeduldig oder gar etwas ängstlich und umklammert mit den Vorderpfoten das Handgelenk.

Ein sonst vom Charakter augenscheinlich recht ausgeglichener Wurf kann bei diesem Test, eben wegen der neuen Situation, unterschiedliche Charaktere zeigen. 

Bei Hunden die zukünftig mental extrem stabil sein müssen (z.B. Assistenzhunde, Therapiehunde...) ist dieser Test mit acht Wochen wichtig. Auch bei der Auswahl eines Zuchthundes ist ohne Frage der eher taffe und gechillte dem ängstlichen vorzuziehen.

 

"Cool in allen Lebenslagen." Acht Wochen alter Foxterrier Glatthaar entspannt und mit abgewandtem Blick. Selbstsicherheit und Eigenständigkeit ist typisch für die Rasse. 


(Links) Lagotto Romagnolo Welpe, etwas unsicher und Blickkontakt suchend.

(Rechts) Border Welpe, unsicher oder ängstlich. Klammert sich an der Hand fest.


Hängende Position

 

In hängender Position betrachten und beurteilen wir die Gesamtkonstruktion unseres Welpen. Der Welpe wird vor uns in unserer Bauch/Brusthöhe aufgestellt und leicht angehoben und im Spiegel betrachtet. Bei Kopf von uns rechts, heben wir mit rechter Hand, Daumen und Zeigefinger ein U bildend den Hals umschliessend, den Unterkiefer an. Mit dem Zeige- und Mittelfinger der linken Hand fahren wir unter beide Sitzbeinhöcker. Der Welpe wird mit diesem Griff ausgehoben und hängt praktisch frei. Nach einigen Sekunden entspannt sich ein korrekt gebauter Welpe und dessen Beine fallen nach unten. Diese Position ist für Welpen mit Unproportionalität unbehaglich. 

 

Der Rücken sollte beim "Aushängen" gespannt, fest und gerade sein, was im Stand nur schwer zu beurteilen ist. In vielen Fällen hängt dieser aber mehr oder weniger durch. Ein zu kurzer Hals und steile Schultern sind meist die Ursache für eine schwache, durchhängende Rückenlinie.

Die Vorhand sollte in hängender Position fast gerade nach unten fallen. Dabei ist deren Winkelung gut zu beurteilen. Welpen mit stark nach vorn gestreckter Vorhand (Schaukelpferd) haben meist Defizite in der Vorhandwinkelung, insbesondere Schulter, und/oder einen zu kurzen Hals.

Ebenso zeigt eine stark nach hinten gestreckte Hinterhand Unproportionalität. Sie sollte entspannt in der selben Position hängen, wie im Stand (Hintermittelfuß senkrecht). Solche verspricht auch optimale Winkelung.

 

Erfahrene Züchter hängen ihre Welpen mit dieser Methode schon in ganz jungem Alter aus. Achtung!!! Diese Praxis darf nur unter Anleitung eines Tierpysiotherapeuten oder im Beisein einer anatomisch sehr versierten Person angewandt werden. Tun Sie das niemals bei einem Junghund oder adultem Hund! Diese sind viel zu schwer für diesen Test.

Welpe im Alter von 3,5 Wochen mit guter Rückenspannung. Harmonische Winkelungen sind schon gut zu erkennen.

Alle drei Welpen (8 Wochen)mit guter Rückenspannung und gut gewinkelter Vor- und Hinterhand. Vorderlauf und Hintermittelfuß fallen senkrecht nach unten.


8 Wochen alter Border Collie und Lagotto Romagnolo mit wenig Rückenspannung. Die Läufe sind verspannt und strecken schräg weg wie bei einem Schaukelpferd.

Beide Welpen haben einen relativ kurzen Hals und knappe Hinterhandwinkelung.


Der Kopf

 

ist im Standard sehr gut und ausführlich beschrieben. Fanglänge zu Oberkopf ist im Verhältnis etwa kürzer. Ein erfahrener Züchter kann schon kurz nach der Geburt seiner Welpen einen guten, leicht trapetzförmigen und breiten, typvollen Kopf erkennen. Der Kopf sollte nicht schmal wirken. Allerdings ist der rassetypisch relativ breite Unterkiefer im Welpenalter beim Lagotto oft noch nicht voll ausgebildet. Mancher Welpe zeigt daher unten Canini-Engstand bei Wurfabnahme, was sich meist im Zahnwechsel verwächst. 

 

Der relativ kurze und breite Fang ist typisch für Wasserapportierhunde. Im Gegensatz zu Rassen mit langem Fang, die sich mit dem lebenden, teils wehrhaften Wild auseinandersetzen (Windhund, Terrier, Teckel...), soll der Apportierhund mit breitem und "weichem" Fang das geschossene Federwild apportieren, ohne das Wildbret zu beschädigen.

 


Der Hals

 

Im Gegensatz zum Kopf wird im Standard des Lagotto Romagnolo die Beschreibung des Halses recht stiefmütterlich behandelt. Aber gerade für einen Trüffel- und Wasserapportierhund ist ein kräftiger Hals von guter, harmonischer Länge in Relation zum Körper sehr wichtig.

Für einen Lagotto mit zu kurzem Hals wäre die Trüffelsuche auf Dauer ermüdend, da er ständig in gebeugter Haltung zu laufen gezwungen ist.

Auch als Wasserapportierhund muss eine gute Halslänge vorhanden sein, um schwimmend den Kopf frei über dem Wasser mit dem zu apportierenden Wassergeflügel zu tragen, ohne mit den Vorderbeinen in´s Verhängnis zu kommen.

Beim Hund im Agilitysport ist der Hals wichtig für die Balance.

Hier ein Beispiel, wie sich die Proportionen des Halses mit der Entwicklung des Welpen verschieben.

Das erste Bild zeigt eine Hündin im Alter von 5 Wochen. Der Hals ist in Proportion zum Körper zu kurz. Im zweitem Bild, mit 7,5 Wochen stimmen die Proportionen fast überein und mit 10 Wochen hat der Hals eine schöne harmonische Länge. 

Die Hündin ist mit 14 Monaten, ein recht gut gebauter Junghund (bis auf die abfallende Kruppe). 


Zur Überprüfung der Halslänge ziehen wir auf dem Rücken eine gedachte Linie (rot) oder legen am Welpen einen Stab an. Die Unterseite des Unterkiefers sollte bei einem genügend langem Hals über der Rückenlinie liegen.


Eine zweite, senkrechte Linie (blau) verläuft mittig durch das Vorderbein. Der Kopf und der grösste Teil des Halses sollten beide Geraden nicht berühren.


Hier zwei Welpen mit mehr oder weniger zu kurzem Hals.


Die Halslänge lässt sich auch gut überprüfen, indem man dem stehenden Welpen ein Leckerchen vor die Nase hält und dies langsam bis zum Boden führt. 

Ein Hund mit wenig Halslänge muss den gesamten Vorderkörper bemühen, um den Boden zu berühren.

Für professionelle Sucharbeit (Mantrailing, Trüffelsuche...) ist so ein Hund weniger geeignet. Es kommt zu schnellerem Ermüden.

Der Welpe rechts, mit längerem Hals, ist dem links klar im Vorteil. Er kann ohne Mühe mit der Nase den Boden berühren.


Kurze Hälse, in Verbindung mit steiler Schulter, sind auch beim Lagotto keine Seltenheit. In einigen Fällen resultiert dies aus einer Bindegewebsschwäche im Hals-Schulterbereich. Der Hals ist tief angesetzt und die letzten beiden Halswirbel machen einen leichten Bogen, wie beim Halsansatz einer Ente, und werden vom Schulterblatt verdeckt.

Hier spricht man vom "Schafhals". 

 

Da Hunde, egal welcher Rasse, mit Schafhals nicht selten sind, konnten Sie sicher schon mal einen solchen beim Schwimmen beobachten. Diese Hunde paddeln hecktisch, angestrengt den Kopf nach oben haltend und das Wasser spritz ihnen ins Gesicht. Manch Einer scheut generell das Wasser.

Hunde mit Schafhals können ganz normale Familienhunde sein. Als Zucht-, Sport- oder Wasserrettungshunde sind sie ungeeignet.

 

Der Schafhals kann mit einem Test recht einfach erkannt werden. Dabei führen Sie, den Unterbauch stützend, den Kopf ganz sanft Richtung Rücken.

Im Normalfall ist bei 12.00 Uhr (grüne Linie ) schluß. Lässt sich der Kopf ohne Widerstand weiter rückwärts legen (rote Linie), der Hinterkopf kommt dabei auf dem Rücken zum liegen, dann handelt es sich um einen Schafhals in mehr oder weniger stark ausgeprägter Form.

 

!!!Achtung!!! Seien Sie bei diesem Test sehr vorsichtig. Es darf keine Gewalt angewandt werden! Versuchen Sie dies niemals bei erwachsenen Hunden!


 

Die Vorderhand

 

steht, von vorn und von der Seite gesehen, regelmässig senkrecht.

Das kann man gut im gegenüber stehenden Spiegel überprüfen.

 

 

Der Standard des Lagotto Romagnolo beschreibt die Lage der Schulter zur Ebene in einem Winkel von 52°-55°. Um das zu überprüfen hilft nur geschultes Augenmaß.

Man hat im seltesten Fall einen entsprechend großen Winkelmesser zur Hand.

Mittig durch das Schulterblatt verläuft die gut zu fühlende Schulterblattgräte. Sie kennzeichnet den Winkel.

 

Die Schulterblattspitzen bilden den Widerrist. Sie sollen weit nach hinten reichen und etwas hervor stehen. Auch dürfen die Schulterblattspitzen nicht zu eng liegen, was auf einen zu schmalen Brustkorb zurück zu führen ist.

Dies kann man testen, in dem man prüft, wieviele Finger zwischen beiden Platz haben. In stehender Position unseres 8 Wochen alten Welpen sollten im Idealfall 2 Finger dazwischen passen. Senken wir nun den Kopf mit Hilfe eines Leckerlie bodenwärts ab, so nähern sich die Schulterblattspitzen. Hat der Welpe den Kopf am Boden, sollte wenigstens noch knapp ein Finger breit Platz sein. Die Schulterblätter dürfen sich nicht berühren.

Für die Sucharbeit wäre ein im Schulterbereich zu schmal gebauter Lagotto mit sich berührenden Schulterblattspitzen logischer Weise wenig geeignet.

 

 

Anmerkung: In der Entwicklungsphase Ihreres Hundes,

diese ist mit ca. 1,5 Jahren beim Lagotto abgeschlossen,

sollte ein gut sitzendes Geschirr dem Halsband vorgezogen werden.

Dabei ist darauf zu achten, dass die Schulter frei liegt (s.Foto).

Norweger- und Sattelgeschirr engen die Schulter ein und drücken

auf die Schulterblattgräte. Besser sind Y-Geschirre.

 

 

Der Oberarm entspricht in der Länge etwa der des Schulterblattes. Die Neigung zur Horizontalen (grüne Linie) beträgt 58°-60°.

 

Schulterblatt und Oberarm bilden das Buggelenk mit einem Winkel von 110°-115°. 

 

Mit angelegten Daumen und Zeigefinger kann man gut Ellenbogenspitze und Schulterblattspitze ertasten/markieren (blaue Ringe). Diese Punkte sollten auf einer Linie senkrecht zum Boden liegen. (Hier im Beispiel steht der Welpe nicht ganz gerade)

 

 


Eine gut gewinkelte Vorhand federt den von hinten kommenden Schub gut ab. Das schont auf Dauer Wirbelsäule und Gelenke.

Ausserdem hat die Muskulatur mehr Ansatzfläche. Im Bild links (rote Schraffur) offener Winkel > weniger Muskelansatz.


 

Der Unterarm steht exakt senkrecht.

Der Vordermittelfuß ist elastisch durch das Vordermittelfußgelenk (Karpalgelenk) und hat im Stand, von der Seite betrachtet, einen Winkel von 75°-80° zum Boden. Das Karpalgelenk ist der Stoßdämpfer des von hinten kommenden Schubes. Ein steiles Karpalgelenk fängt die Stöße nicht federnd ab und leited diese zu hart nach oben und in die Wirbelsäule. Ein zu weiches Karpalgelenk kann im Alter, insbesondere bei sportlicher Überlastung, noch weiter überdehnen.

 

Von vorn im Spiegel betrachtend, heben wir den Welpen am Unterkiefer halswärts leicht an, um zu beurteilen, ob Unterarm und Vordermittelfuß gerade und parallel verlaufen.

Die Pfoten sind gerundet und kompakt. Die Zehen aufgeknöchelt und geschlossen. Die Zehenzwischenhaut ist gut ausgebildet (Schwimmhilfe?). Die Krallen des erwachsenen Lagotto sind (berufsbedingt) sehr hart und widerstandsfähig.

 


Der Rumpf

 

ist kräftig und kompakt. Die Länge entspricht, gemessen vom Buggelenk zum Sitzbeinhöcker, der Widerristhöhe. Damit ist der Lagotto Romagnolo annähernd quadratisch.

 

Die Tiefe der Brust misst weniger als die Hälfte (ca. 44%) der Widerristhöhe.

 

Der Rücken ist gerade und der Widerrist etwas höher als die Kruppe. Die Kruppe fällt nur leicht ab und bestimmt damit den Ansatz der Rute. Dieser sollte weder zu hoch, noch zu tief sein.

 

Die Lende entspricht 1/3 der Rückenlänge. Dies kann man gut überprüfen, in dem man mit Daumen und Zeigefinger den Abstand zwischen Ansatz letzer Rippe und Hüftbeinhöcker misst und dann mit dem selben Maß den Abstand zwischen letzter Rippe und Schulterblattspitze überprüft. Dies sollte die doppelte Länge sein.

 

Einen fest gespannten und geraden Rücken kann man gut im schon oben beschriebenen Test des Aushängens des Welpen, oder in der Bewegung beurteilen.

 

 

Hier Gaudi, 12 Wochen, der den Großen schon was vormacht.


Auf Ausstellungen kann man Lagotti in unterschiedlicher Körperhaltung präsentiert beobachten. Einmal entspannt, mit annähernd waagerechter oberer Profillinie und anderseits, insbesondere bei ausländischen Handlern und Züchtern zu beobachten, mit gespanntem schräg nach hinten abfallendem Rücken.

Ich denke, Beides ist korrekt. Beobachtet man einen Lagotto, der gespannt eine Krähe oder anderes Federwild anfixiert, dann nimmt er genau diese Art "Vorstehhaltung" ein. Er zeigt das Wild an, um dann, nach dem imaginären Fall des Schußes, loslaufen und apportieren zu wollen.

Hier als Beispiel Nixon. Gerade Rückenlinie links und in gespannter Position rechts.

 

Ein erwachsener Lagotto hat einen gut bemuskelte und breite, fast balkenartige Rückenpartie. Seine ausdauerde Kraft nimmt er aus Hinterhand und Rücken.

 


Die Brust reicht bis zum Ellenbogen. Die untere Profillinie ist bis Ende des ziemlich langen Brustbeins gerade und steigt dann ganz leicht an.

Die Brustbeinspitze sollte bei Ihrem Welpen etwa in Höhe des Buggelenks leicht tastbar sein. Im Idealfall steht sie davor und gib somit guten Ansatz für Sehnen und Muskeln.

Ein gut entwickelter, sich nach hinten verbreitender Brustkorb mit standardgemässer Brustbeinlänge und Brusttiefe verspricht einen optimalen "Maschinenraum" mit gut Platz für Herz und Lunge.


Die Hinterhand

Um die Hinterhand zu beurteilen, betrachten wir unseren Welpen zuerst von hinten. 

Die Hinterbeine sollten, gut proportional zum Körper, senkrecht und parallel stehen. Weder bedeutend hackeneng, noch O-beinig. Die Muskulatur sollte gleichmässig ausgebildet sein.

 

Die Beckenform überprüfen wir, indem wir den Abstand zwischen den Innenseiten der Oberschenkelbasis betrachten. Ein breiter Abstand (umgekehrtes U) lässt auf ein breites, "geburtsfreudiges" Becken schliessen, was für den zukünftigen Zuchthund wichtig ist. Auch beim Rüden sollte man darauf achten, denn er gibt ja seine Gene an seine Töchter weiter. 

Hier Welpen mit zu schmalem Becken. Umgekehrtes V


Der Oberschenkel hat zur Ebene eine Neigung von ca. 80°. Das ist im Vergleich zu anderen "Trabern" eine relativ geringe Winkelung.

 

Die Winkelung des  Unterschenkels beträgt 50°-55°. Das ergibt eine Kniewinkelung von 130°-135°.

 

Ober-und Unterschenkel liegen parallel zur Sagittalebene des Körpers.

 

Ausdrehende Knie können für einen Hund im Agility-Sport (Slalomstangen) oder bei der Trüffelsuche im Unterholz hinderlich sein.


Der Unterschenkel ist beim Lagotto Romagnolo, im Gegensatz zu vielen anderen Rassen, ein wenig länger als der Oberschenkel. 

Dies kann man nachprüfen, in dem man das Knie anwinkelt und den Hintermittelfuß so weit nach oben führt, dass das Fersenbein den Sitzbeinhöcker berührt.

 

Trotz des relativ knappen Winkels des Oberschenkels ergibt die Kombination mit  längerem Unterschenkel wieder eine harmonische und effektive Hinterhandwinkelung.

 

Links im Bild Border Collie. Das Ende des Fersenbeins schliesst mit dem Sitzbeinhöcker ab. Somit sind Ober- und Unterschenkel gleich lang.

Rechts Lagotto Romagnolo. Das Ende des Fersenbeins liegt im Test ein klein wenig höher als der Sitzbeinhöcker. So ist der Unterschenkel ein wenig länger als der Oberschenkel.

 


Das Sprunggelenk sollte stabil sein. Bei großen Rassen kann man hin und wieder, selbst auf Ausstellungen, instabile Sprunggelenke beobachten. Von hinten betrachtet wirkt es im Schritt und im Trab wackelig. Bei kleineren Hunderassen ist dies schwieriger zu beurteilen.

Im Alltag ist dieser Defekt nur wenig hinderlich, aber bei scharfen Manövern, insbesondere im Agilitysport oder beim Coursing, kann man bei solchen Hunden Straucheln und Wegknicken, ohne offensichtlichen Grund, beobachten.

In drei verschiedenen Drucktests überprüfen wir die Festigkeit der Sprunggelenke.

Druck mit dem Daumen von hinten kopfwärts gegen das Fersenbein. Der Mittelfuß muss fest und senkrecht stehen bleiben und darf sich nicht nach vorn "klappen" lassen.

Bei Druck von innen mit gespreitzten Daumen und Zeigefinger (wie bei einer sich öffnenden Zange) beiderseitig gegen die Spunggelenke, dürfen diese nicht o-beinig nachgeben.

Drückt man mit Daumen und Zeigefinger einer Hand von aussen gegen die Sprunggelenke, müssen diese fest bleiben und die Beine dürfen sich nicht zum X formen.


Der Hintermittelfuß, incl. Sprunggelenk und Fersenbein, entspricht einem Drittel der Rückenhöhe.

Ein zu langer Mittelfuß hat bei der Kraftübertragung nicht die optimale Hebelwirkung.

 


Wenn eine gedachte, vom Sitzbeinhöcker senkrechte Linie, knapp die Zehenspitzen schneidet, dann kann man annehmen, dass der Lagotto mit seiner Hinterhand in optimaler Winkelung und somit in Balance ist.

Anmerkung: Die Hinterhandwikelung des Lagotto Romagnolo ist im Gegensatz zu anderen Trabern (deren Senkrechte trifft direkt vor die Krallenspitzen) eher moderat. 

 

 

Die Zehen der Hinterpfoten sind etwas weniger aufgeknöchelt als die der vorderen, dennoch fest und geschlossen. Daher sind die Hinterpfoten leicht oval.

 

Abgesehen von genetischer Disposition können zu schwere Welpen (Fütterung) und solche, die ausschliesslich auf zu weichen Untergründen laufen (Sand), zu Spreizfüßen, also weniger aufgeknöchelten und auseinandertreibenden Zehen, vorne wie hinten neigen. 


Geschafft...

 

 

Danke für Ihre Aufmerksamkeit. Anregungen und Berichtigungen werden gerne entgegen genommen.

Das Copyright der Fotos liegt bei Annett Kitsche und Lisa Krause.

Der Text, auch auszugsweise, darf nicht ohne Genehmigung der Autorin kopiert oder vervielfältigt werden. Verlinkung ist erlaubt.

                                              

                                                       Annett Kitsche, Dezember 2020

 

 



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